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Angola: Eines der reichsten Länder der Welt!

Zwischen Erdöl-Diamanten-Kapitalismus und Subsistenzwirtschaft

Am 22. Februar 2002 wurde Rebellenführer Jonas Savimbi gezielt ermordet. Damit war der Kampf um politische Macht in Angola entschieden. Nach über 40 Jahren Bürgerkrieg zeigte sich plötzlich ein Hoffnungsschimmer am Horizont der angolanischen Steppe. Doch der Waffenstillstand offenbarte erst das ganze Ausmaß der humanitären Katastrophe. Angola - ein Land irgendwo zwischen Frieden und Krieg.

BERLIN (Zeitlupe) – Neben mindestens 500 000 Todesopfern seit 1975 leidet heute ein Großteil der 13 Millionen Angolaner unter Hunger, Armut und der beschleunigten Ausbreitung der HIV/AIDS-Epidemie. Diese drückt die ohnehin schon niedrige durchschnittliche Lebenserwartung von 47 Jahren Tag für Tag weiter nach unten. Die Ärzte, die im Durchschnitt für 10 000 Einwohner zuständig sind, kommen selbst bei der Behandlung ungefährlicherer Krankheiten häufig mit ihrer Arbeit kaum hinterher. Hinzu kommen die ungelösten Probleme der rund vier Millionen Binnenflüchtlinge, die die soziale Schere noch weiter auseinander klaffen lassen. Während sich ein kleiner Führungszirkel an den umfangreichen Diamanten- und Erdölvorkommen bereichert, versuchen hunderttausende Ackerbauern mit Hilfe von einfacher Subsistenzwirtschaft das eigene Überleben und das der Familie zu sichern. Woher nur, so möchte man fragen, rührt der Optimismus nach dem Tode Jonas Savimbis? Ein Blick in die Geschichtsbücher kann einige Antworten geben.
Als Angola am 11. November 1975 als eines der letzten Länder Afrikas die Unabhängigkeit erlangte, waren die gesellschaftlichen und politischen Strukturen von einem 14 Jahre währenden Befreiungskrieg gegen die Kolonialmacht Portugal gekennzeichnet. Nicht nur die konkurrierenden drei Parteien, die UNITA, die Nationale Front für die Befreiung Angolas (FNLA) und die Volksbefreiungsfront Angolas (MPLA) machten eine friedliche Zukunft nahezu unmöglich. Der späte Zeitpunkt der Unabhängigkeit brachte zugleich von internationaler Seite einen immensen Störfaktor mit sich: Der Kalte Krieg bedeutete die Zweiteilung der Welt und das Buhlen um Machteinfluss bis in die abgelegensten Winkel der Erde – so auch in Angola. Hier fand einer der bezeichnendsten Stellvertreterkriege überhaupt statt. Über Jahre waren zehntausende kubanischer Soldaten im Lande stationiert. „Angola wurde so zum wichtigsten Schauplatz des Ost-West-Konflikts in Afrika“ stellt Peter Meyns kritisch fest. Doch der deutsche Experte für das südliche Afrika blickt nicht nur mit konstruktivem Auge in die Vergangenheit, sondern verweist trotz der Erblast des längsten aller Bürgerkriege der Region auf das positive Potential der Zukunft: „Ohne Frage sind die Aussichten für Frieden in Angola, verstanden als Abwesenheit von Krieg, heute besser als jemals seit der Unabhängigkeit“. Eine über Jahrzehnte gewachsene Kriegsökonomie, die die Anerkennung der Wahlen von 1992 verhinderte und den Zusammenbruch des Ostblocks kaum beschadet überstand, scheint durch den Tod des „Warlords“ Jonas Savimbi, der einst von den USA unterstützt wurde, endgültig begraben zu sein.
Indes spiegeln die internationalen Akteure, die im Konsolidierungsprozess Angolas eine Rolle spielen, die blutige Geschichte des noch nicht einmal 40-jährigen Staates wieder. Neben den Vereinten Nationen (UN) finden die Stellungnahmen der sogenannten Troika die meiste Beachtung. Dahinter verbergen sich die Garantiemächte des Waffenstillstands-Protokolls von Lusaka aus dem Jahre 1994, namentlich die ehemalige Kolonialmacht Portugal und die früheren Kontrahenten des Kalten Krieges, Russland und die USA. Während mit aller Kraft versucht wird, deren diplomatischen Einsatz als konstruktive Unterstützung in Anbetracht der historischen Verbindungslinien hervorzuheben, kann über die heutigen handfesten Eigeninteressen der „Partnerstaaten“ nicht hinweggesehen werden. So ist es weithin bekannt, dass etwa die USA ein großes Interesse daran haben, sich aus dem indirekten Klammergriff der Organization for the Petroleum Exporting Countries (OPEC) zu befreien. Obwohl Angola über große Rohölreserven verfügt, haben auch die Regierung und Staatschef José Eduardo dos Santos von einem OPEC-Beitritt bislang nichts verlauten lassen. Für die USA steht somit eine Befriedung des Gebiets in unmittelbarem Zusammenhang mit der größeren Wahrscheinlichkeit, ungehindert an günstige Erdölquellen jenseits der OPEC zu gelangen.
Bieten die reichhaltigen Ölvorräte des Landes einerseits eine große Chance für den wirtschaftlichen Aufschwung in Angola, stellen sie zugleich wie immer in der Geschichte der jungen Republik das Pulverfass der inneren Sicherheit dar. Der Zankapfel trägt den zauberhaften Namen Cabinda und umfasst 7270 Quadratkilometer – nicht einmal 0,6 Prozent der Gesamtfläche Angolas. Es handelt sich um eine kleine Enklave einige Kilometer nördlich der angolanischen Grenze, die umringt von den beiden Kongo-Staaten über die wirtschaftliche Zukunft des siebtgrößten Landes des Kontinents entscheidet. Schon lange gibt es Sezessionsbestrebungen in Cabinda, doch die angolanische Regierung weigert sich vehement gegen eine Abspaltung der Provinz – und das nicht ohne Grund. Dort wo die Strände von Cabinda in den Atlantik versinken, beginnt der Rohstoffreichtum des südlichen Afrika. Öl und Diamanten machen Angola zu einem der reichsten Länder der Welt – wenn man ausschließlich die Rohstoffausstattung betrachtet. Ein Großteil dieser Ölvorräte liegt vor der Küste Cabindas. 60 Prozent der gesamten angolanischen Öleinnahmen sind diesen Vorräten geschuldet. Ein Verlust dieser Provinz hätte aus wirtschaftlicher Perspektive fatale Folgen für die weitere Entwicklung des Staates.
So bleibt auch das neue Angola nicht frei von Krieg und innerer Unruhe. Doch während der Konflikt um Cabinda weiterhin tobt, zeichnet sich ein Hoffnungsschimmer an den Horizont: Zwei Jahre ohne Krieg in den meisten Regionen des Landes hat es seit über vierzig Jahren nicht gegeben. Düstere Zahlen und pessimistische Prognosen geben häufig nur einen Teil afrikanischer Wirklichkeit wieder. Eine Festigung des angolanischen Friedens in den nächsten zehn Jahren wäre ein Meilenstein in der Geschichte.

Angola Fläche: 1 246 700 km2 (Weltrang 22)
Einwohner: 13 512 000 (10,8 je km2)
Bruttosozialprodukt je Einwohner: 500 US-$
HDI: 0,403
Amtssprache: Portugiesisch
Hauptstadt: Luanda (2 819 000 Einwohner)
Unabhängigkeit: 11.11.1975
Staatsform: Präsidialrepublik; Einkammerparlament (Volksversammlung); Mehrparteiensystem

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