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Zeitlupe - das online-magazin |
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| Alle Jahre wieder Der Kampf ums Öl hat längst begonnen Von -X- Ein Traum scheint Wirklichkeit zu werden: An der Westküste Afrikas erreicht ein Land seit 1991 ein geradezu märchenhaftes jährliches Wirtschaftswachstum. Doch der Schein trügt. Stattdessen erschütterte im März 2004 erneut ein Putschversuch einen der kleinsten Staaten Afrikas. Der Versuch wurde vereitelt – und der Sohn der Eisernen Lady, Mark Thatcher, in Südafrika wegen finanzieller Unterstützung verurteilt. Äquatorialguinea – ein Land zwischen Erdölreichtum und Menschenrechtsarmut. BERLIN (Zeitlupe) – Hinter den Fassaden eines jährlichen Wirtschaftswachstums zwischen etwa 15 und 25 Prozent seit 1991 entpuppen sich ein ineffizientes Staatswesen, schwere Menschenrechtsverstöße und in beständiger Regelmäßigkeit scheiternde Putschversuche. Schon der dritte Anlauf in nur fünf Jahren konnte im März 2004 durch die Festnahme einer Söldnergruppe in Simbabwes Hauptstadt Harare vereitelt werden. Doch die Folgen dieses Putschversuchs verschafften Äquatorialguinea eine ungekannte Medienaufmerksamkeit. Bei den Anführern der Söldnergruppe handelte es sich um Simon Mann, der in einem Brief an seine Frau die Hilfe eines gewissen „Sratcher“ erbat. Bald hatte sich herausgestellt, dass sich hinter dem Pseudonym kein geringerer als der in Südafrika lebende Sohn der ehemaligen britischen Ministerpräsidentin Margret Thatcher verbarg. Mark Thatcher hat inzwischen die finanzielle Unterstützung des Putschversuchs gestanden, allerdings behauptet er, von alledem nichts gewusst zu haben. Er habe nach Angaben von Spiegel-Online 20 000 US-Dollar für die Beschaffung eines Militärhubschraubers bereitgestellt, sei aber davon ausgegangen, dass dieser für humanitäre Zwecke benötigt werde. Tatsächlich heißt es hinter vorgehaltener Hand, dass den Unterstützern des Putschversuchs lukrative Geschäfte im Zusammenhang mit den umfangreichen Ölvorkommen in Äquatorialguinea versprochen wurden. Die Rahmenbedingungen dafür sind in der ehemaligen spanischen Kolonie jedenfalls allemal gegeben. In diesem Jahr soll die Erdölförderung erstmals 500 000 Barrel täglich betragen, womit das Land nach Angaben des Auswärtigen Amtes zum drittgrößten Erdöllieferanten des afrikanischen Kontinents aufsteigt. Diesen Braten haben die großen Ölkonzerne längst gerochen. Seit Anfang der 1990er die Ölvorkommen entdeckt wurden haben sich nach und nach Konzerne wie CMS Energy, Exxon-Mobil, Triton, Chevron, Vanco, Atlas, TotalFinaElf, Energy Africa (SUA) und Petronas an Afrikas Westküste niedergelassen und versuchen vereinzelt immer wieder ihre Heimatregierungen dazu zu bewegen, durch bilaterale Zugeständnisse die teilweise prekären Förderungsbedingungen im eigenen Interesse zu verbessern – und das mit Erfolg. So wurde nicht nur die seit 1995 geschlossene US-Botschaft in der Hauptstadt Malabo am 23. Juni 2003 wiedereröffnet, sondern auf Initiative des spanischen Ölkonzerns Repsol erlies die Regierung Aznar im selben Jahr 60 Prozent der äquatorialguineischen Schuldenlast von insgesamt 134 Millionen US-Dollar. Die Annäherung von Madrid an die ehemalige Kolonie ist indes von besonderer Bedeutung, da die Beziehungen zwischen den beiden Staaten seit langem als angespannt galten: In Spanien leben rund 40 000 Flüchtlinge aus Äquatorialguinea – genauso viele Landsleute wie in der Hauptstadt Malabo. Und das ist die Schattenseite des ökonomischen Märchens an der Westküste Afrikas. Die enormen Gewinne scheinen in die Taschen einer kleinen Führungsriege zu wandern. Menschenrechtsverletzungen und die rigide Einschränkung der Pressefreiheit stehen genauso auf der Tagesordnung wie politische Unterdrückung und Korruption. Die Herrscherclique um den nunmehr seit 26 Jahren amtierenden Staatschef Teodoro Obiang Nguema Mbasogo hat eines erreicht: Die Diktatur des ersten Präsidenten nach der Unabhängigkeit 1968, Macias Nguema Biyogo, konnte 1979 ersetzt, aber nicht abgeschafft werden. So schreibt Gerhard Seibert im Afrika-Jahrbuch 2003 für das Institut für Afrika-Kunde (IAK) in Hamburg: „Im Juli verkündete das Staatsradio in einem bemerkenswerten Beitrag, dass Obiang ‚wie Gott im Himmel’ wäre und alle Macht über Menschen und Dinge hätte. Er könnte entscheiden zu töten, ohne irgendjemandem Rechenschaft abzulegen oder in die Hölle zu gehen, da er in dauerndem Kontakt mit Gott selbst wäre.“ Derlei Hintergründe sind Ursache für die internationale Abwendung von diplomatischen Beziehungen zu Äquatorialguinea und bringen die am Erdöl interessierten Regierungen in Erklärungsnot. Das US-Energieministerium versuchte etwa die Wiedereröffnung der Botschaft damit zu begründen, dass man die Regierungspolitik in Äquatorialguinea genauso wie den Lebensstandard der Bevölkerung vor Ort durch eigene Präsenz mit sehr viel größerer Erfolgswahrscheinlichkeit verbessern könne. Mit gesundem Menschenverstand fragt man sich hier nur erstens, warum ausgerechnet das Energieministerium der USA an dem Schicksal der Bevölkerung des afrikanischen Kleinstaats ein ungewohnt ausgeprägtes humanitäres Interesse zeigt, und zweitens, warum das in den acht Jahren zuvor nicht gegolten hat. Die innenpolitischen Probleme Äquatorialguineas werden indes auch im Jahr 2005 nicht gelöst werden. Selbstverständlich rechtfertigen diese Umstände keinen Putsch wie er im letzten Frühjahr stattfinden sollte, schon gar nicht, wenn sich dahinter nicht reformwillige Interessen, sondern nur die Habgier einiger Geldschieber verbirgt. Allerdings erklären die inneren Verhältnisse im Land, weshalb die Machenschaften des „verwöhnten Tunichtgut“ (DIE ZEIT) Mark Thatcher im aufgeklärten Europa nicht für mehr Aufsehen und Empörung gesorgt haben. Der nächste Putschversuch kommt bestimmt. Genauso wie der nächste Ölkonzern. Und wie der nächste Wachstumserfolg. Alle Jahre wieder.
Einwohner: 469 000 Bruttosozialprodukt pro Einwohner: 700 US-$ HDI: 0,703 Amtssprache: Spanisch Hauptstadt: Malabo Unabhängigkeit: 12.10. 1968 Staatsform: Präsidialrepublik (max) |
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