| Februar 2005 |
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Zeitlupe - das online-magazin |
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| Namibisch-Deutsche Beziehungen: mehr als ein Völkermord Die Ausstellung „Namibia – Deutschland“ – Ein Muss für alle Afrikainteressierten Von Maximilian Kirchner Das nationale Trauma der namibischen Nation liegt bereits hundert Jahre zurück – obwohl der namibische Staat erst seit knapp 15 Jahren existiert. Was zunächst paradox erscheinen mag, erklärt die Ausstellung „Namibia – Deutschland. Eine geteilte Geschichte“, die noch bis zum 13. März im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen ist. Doch noch weit darüber hinaus informiert der Rundgang über das ambivalente Verhältnis der beiden Staaten und ihrer Bewohner bis zum heutigen Tag. BERLIN (Zeitlupe) – Aufgrund der umfangreicheren Ausprägungen in einigen anderen westeuropäischen Staaten wird eines häufig übergangen: Auch Deutschland hat eine koloniale Vergangenheit – und diese ist sogar Teil des womöglich dunkelsten Kapitels der ohnehin düsteren Epoche des Imperialismus: der beabsichtigten Vernichtung eines gesamten Volkes auf dem Gebiet des heutigen Namibia, dem Völkermord an den Herero. Zwischen 1904 und 1908 erhoben sich große Teile der heimischen Volksgruppen Herero und Nama in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika gegen die Schutztruppe der deutschen Besatzer. In Folge der Aufstände kamen nicht nur mehrere zehntausend Menschen ums Leben (davon etwas mehr als 1 700 Deutsche), sondern mit dem berüchtigten „Schießbefehl“ und der anschließenden Vertreibung der Herero in die Omaheke-Wüste im Westen des Landes wurde der damalige General Lothar von Trotha zum Befehlsgeber des ersten Völkermords im 20. Jahrhundert. Wenn der Gegner nicht im direkten Kampf vernichtet werden könnte, sollten die Herero in der Wüste verdursten. Die Ausstellung „Namibia – Deutschland. Eine geteilte Geschichte“ lässt keinen Zweifel an dem, was einige fadenscheinige Historiker noch immer herunterspielen möchten: Der Kampf der Deutschen gegen die Herero wurde mit der Absicht des Völkermords geführt. Allerdings werden dem Besucher der Ausstellung die Umstände jener Zeit, die Traditionen und historischen Entwicklungslinien der unterschiedlichen heimischen Volksgruppen auf der einen und der deutschen Besatzer auf der anderen Seite sehr detailreich und differenziert vermittelt. Es wird mehr als emotional aufgeladenes Anschauungsmaterial oder eine sachlich entstellte Analyse präsentiert – die Ausstellung stellt vielmehr einen wichtigen Beitrag zur Versöhnung und Zusammenarbeit, zum Dialog und zur Annäherung von zwei Nationen dar, deren Zukunft aufgrund der Vergangenheit nicht mehr voneinander zu trennen ist. Zwar verkörpert die Kolonialzeit den Ausgangspunkt der namibisch-deutschen Beziehungen, allerdings stellt sie nur einen kleinen Teil der Entstehungsgeschichte Namibias dar. In den Kriegswirren endete schon 1915 die deutsche Besatzung, Südwestafrika wurde Mandatsgebiet des Völkerbundes und unter südafrikanische Aufsicht gestellt. 1948 verleibte sich die Republik Südafrika das Gebiet des heutigen Namibias als fünfte Provinz ein. Mit umfangreicher internationaler Unterstützung (auch aus Deutschland) erlang Namibia schließlich im März 1990 als letzter Staat Afrikas die Unabhängigkeit. Obwohl die Herrschaft der Deutschen über das Land also gerade einmal rund 20 Jahre andauerte und diese inzwischen beinahe gänzlich über einhundert Jahre zurückliegt, sind die deutschen Einflüsse in Namibia ebenso tiefgehend, wie es nach wie vor eine große deutsche Gemeinschaft in Namibia gibt, dass zu den am dünnsten besiedelten Ländern der Erde zählt. Zu einer Vermischung der Bevölkerungsgruppen ist es aber bislang ebenso wenig gekommen, wie zu einer umfassenden Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte. Ganz im Gegenteil: Die deutsche „community“ in Namibia stellt ein fast idealtypisches Beispiel für das dar, was in der innerdeutschen Debatte gegenwärtig immer wieder mit dem Begriff der Parallelgesellschaft umschrieben wird. Gleichzeitig hört und liest man immer wieder die Feststellung, dass die Namibiadeutschen das ausgeprägteste Deutschtum der Welt pflegten. Hier gilt natürlich wie überall, dass es sicherlich auch Ausnahmen gibt. In vielerlei Hinsicht besteht also Handlungsbedarf, was die Beziehungen zwischen Deutschen und Namibiern, zwischen Namibiadeutschen und Namibiern und zwischen Deutschen und Namibiadeutschen angeht. Die Initiatoren der Ausstellung „Namibia – Deutschland“ haben diesen Handlungsbedarf erkannt. In sieben thematischen Abschnitten werden dem Besucher die namibisch-deutschen Beziehungen nähergebracht. Beziehen sich die Abschnitte „Mission und koloniale Begegnung“ sowie „Widerstand, Krieg, Völkermord“ auf die gemeinsame „geteilte Geschichte“, werden in den Abschnitten „Windhoek: Leben in der Stadt“, „Lebenswelten auf dem Land“, „Deutsche Väter: deutsch-afrikanische Familien“ und „Geteilte Erinnerungen“ die Lebensverhältnisse und Beziehungen der Gegenwart beschrieben. Der Abschnitt „Eine gemeinsame Zukunft“ dient schließlich dem Ausdruck richtungsweisender Vorstellungen für das nun Folgende. Ein äußerst hilfreiches Werkzeug für diejenigen, die sich gerne etwas tiefer in die Materie einarbeiten, bietet der Text- und Bildband zur Ausstellung, der im Museumsshop erworben werden kann: Offene Fragen werden spätestens hier geklärt. Die Ausstellung „Namibia – Deutschland.
Eine geteilte Geschichte“ leistet mindestens dreierlei. Erstens
führt sie den Laien beziehungsweise den unwissenden Besucher angemessen
und vermittlungsfreundlich an eine in Deutschland viel zu wenig beachtete
Thematik heran. Zweitens zeigt sie den Menschen in Namibia und Deutschland,
inwiefern eine geteilte Geschichte zu zukünftiger Zusammenarbeit
verpflichtet. Drittens gibt sie der kundigen Besucherin die Gelegenheit,
ihr Wissen aufzufrischen und zu erweitern. Somit handelt es sich bei dieser
Ausstellung um einen reichhaltigen Informationspool mit politischer Botschaft
und sozialer Wirkung. Bis zum 13. März kann sich jede(r) noch selbst
ein Bild davon machen. Ein Muss für alle Afrikainteressierten! |
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