| November 2004 |
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Zeitlupe - das online-magazin |
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| Von Warlords und Peacequeens Friedensnobelpreis Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an die 64-jährige Kenianerin Wangari Muta Maathai „für ihren Einsatz zur Erhaltung der Umwelt und zur Durchsetzung der Menschenrechte“. Das gab das Friedensnobelpreiskomitee am 8. Oktober bekannt. Maathai ist die erste Afrikanerin, die den hoch dotierten Preis erhält – und das obwohl sie auf den ersten Blick die klassischen Vergabekriterien nicht erfüllt. Die ZEITLUPE erklärt, warum Maathai trotzdem die richtige Preisträgerin des Jahres 2004 verkörpert. BERLIN (Zeitlupe) – Wangari Muta Maathai wurde am 01. April 1940 in Nyeri, Kenia, geboren und hat eine sprichwörtliche Bilderbuchkarriere hinter sich: Schulausbildung in Kenia, Stipendium zum Studium in den USA, Promotion nach ihrer Rückkehr nach Kenia. 1971 erhält sie als erste Frau Kenias den begehrten Doktorgrad Ph.D., 1976/77 wird sie außerordentliche Professorin für Veterinärmedizin an der Universität von Nairobi und gründet 1977 die „Green Belt Movement“, die bis 1993 30 Mio. Bäume pflanzte. Von 1976-87 war Maathai im National Council of Women of Kenya aktiv und hielt von 1981-87 dessen Vorsitz inne. 1984 erhielt sie den alternativen Nobelpreis (Right Livelihood Award). Seit 2002 ist sie Abgeordnete der Grünen Partei, seit 2003 Vize-Umweltministerin Kenias. Im April 2004 erhält sie den Petra-Kelly-Preis der Heinrich Böll-Stiftung und am 10. Dezember 2004 wird ihr, als erster Afrikanerin, der Friedensnobelpreis in Oslo verliehen werden. In den letzten Jahren haben sie und die Green Belt Movement weit über zehn renommierte Preise erhalten. Was sich zunächst wie in einem romantisierenden Hollywoodfilm anhört ist in Wirklichkeit ein hartes Stück Arbeit. In den 1990ern fiel Maathai auf Grund ihres unermüdlichen Engagements für die Umwelt und Menschenrechte beim damaligen kenianischen Präsidenten Daniel arap Moi in Ungnade und wurde insgesamt zwölf Mal verhaftet. Auch privat hatte die Professorin zu kämpfen. So trennte sich ihr Ehemann 1980 von ihr mit der Begründung, sie sei „zu gebildet, zu stark, zu erfolgreich, zu eigensinnig und zu schwer zu kontrollieren“. Gemeinsam mit ihm hatte ihr politisches Engagement in sozialen und Umweltprojekten in den 1970ern begonnen. So leitete sie beispielsweise eine Zeit lang das kenianische Rote Kreuz. Als vorläufige Krönung ihrer Laufbahn erhält Wangari Maathai nun den Friedensnobelpreis, als erste Frau des schwarzen Kontinents (nachdem bereits Desmond Tutu 1984, Nelson Mandela 1993 und Kofi Annan 2001 als afrikanische Vertreter den ehrenvollen Preis erhalten haben). Dabei entspricht sie eigentlich nicht direkt dem testamentarischen Wunsch Nobels, der den Preis derjenigen Person verliehen wissen wollte, die „im Laufe des vorangegangenen Jahres den größten Dienst an der Menschheit geleistet haben“. Außerdem stehen weder Umweltschutz, noch Nachhaltigkeit oder Menschenrechtsschutz als anzustrebendes Ziel im Testament Nobels. Danach sollte vielmehr der Einsatz zur Verbrüderung der Völker, die Reduktion stehender Armeen sowie der Aufbau und die Verbreitung von Friedenskonferenzen mit dem Preis belohnt werden. Doch seit der Formulierung des Testaments vor über
100 Jahren hat sich einiges sowohl in der Welt, als auch im Kriegsgeschehen
und der Friedens- und Konfliktforschung verändert. Die Kriege des
21. Jahrhundert finden nicht mehr um Territorien, Ideologien oder Staatsgrenzen
zwischen klassischen nationalstaatlichen Armeen statt, sondern zumeist
als „neue Kriege“, bei denen nicht mehr nationalstaatliche
Armeen mit Oberbefehlshabern an deren Spitze die Kriegsparteien bilden,
sondern vielmehr so genannte Warlords, die mit ihren Milizen oder Privatarmeen
zumeist um die Vorherrschaft in rohstoffreichen Gegenden der so genannten
Entwicklungsländer kämpfen, um diese auf Kosten der Zivilbevölkerung
auszubeuten. Letztere wird dabei oft als Mittel zum Zweck missbraucht,
indem entweder Kindersoldaten rekrutiert werden oder die Bevölkerung
unter der Unterdrückung zu leiden hat. (dok) |
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