Juni 2004

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Toleranzpreis für Bestsellerautor

Henning Mankell als „Grenzgänger“ zwischen Europa und Afrika

Der schwedische Bestsellerautor Henning Mankell, der nach eigener Aussage mit „einem Fuß im Sand, mit dem anderen im Schnee“ lebt, erhielt den Toleranzpreis der evangelischen Akademie Tutzing. Der mit 10 000 Euro dotierte Preis wurde Henning Mankell im Mai im Beisein des südafrikanischen Friedensnobelpreisträgers Desmond Tutu im Tutzinger Schloss überreicht.

BERLIN (Zeitlupe) – Die Jury zeigte sich insbesondere davon beeindruckt, wie sich der Autor als „Grenzgänger“ zwischen Europa und Afrika glaubwürdig dafür einsetze, den Stolz und die Würde der Afrikaner zu achten. Toleranz hieße auch, politische und kulturelle Identitäten zu respektieren und dementsprechend einen eigenen Weg Afrikas anzuerkennen, ohne vorgefertigte europäische Sichtweisen transportieren zu wollen. Mankell, der seit 1986 die eine Hälfte des Jahres in Mosambiks Hauptstadt Maputo, die andere Hälfte im schwedischen Stockholm lebt, setze sich dafür ein, „das Leben, die Lebensweisen der Afrikaner zu erfahren und davon zu lernen“, urteilte die Jury.

Vor allem durch seine Wallander-Kriminalromane bekannt geworden, betätigt sich Henning Mankell als Autor, Drehbuchschreiber, Theaterregisseur und Leiter des Teatro Avenida in Maputo, das verdächtig viel Ähnlichkeit mit dem Schauplatz seines Buchs „Der Chronist der Winde“ aufweist (1995, deutsche Ausgabe 2000). Auch in „Die rote Antilope“ (2000, deutsche Ausgabe 2001), in „Tea-Bag“ (2001, deutsche Ausgabe 2003) sowie in „Im Auge des Leoparden“ (1990, deutsche Ausgabe 2004) setzt sich der Schwede mit seinen in Afrika gesammelten Erfahrungen und mit den Gegensätzen zwischen dem europäischen und dem afrikanischen Kontinent auseinander. In seinem mehrsprachigen Theaterstück „Butterfly Blues“, das von Künstlern des Grazer Schauspielhauses und des Teatro Avenida gemeinsam realisiert wurde, konfrontiert Mankell den Zuschauer mit der Welt afrikanischer Immigranten.

Der mehrfache Preisträger versucht so, Solidarität zu leben und in die Gesellschaft hineinzutragen. Dass das Engagement für die Afrikaner zu seiner Lebensaufgabe geworden ist, begründete er bei der Preisverleihung damit, dass es nicht nur ein Afrika gebe, sondern viele, und er Katastrophen ebenso hautnah erlebe, wie den afrikanischen Optimismus, den Stolz und die Würde. Um seiner Brückenfunktion zwischen den Kontinenten weiterhin gerecht zu werden, gründete Mankell im Frühjahr 2001 in Schweden seinen eigenen Verlag, den Leopard förlag, um sowohl schwedischen, als auch afrikanischen Nachwuchsautoren ein Forum bieten zu können.

Der Schwede Henning Mankell tritt als gesellschaftskritischer, engagierter Mensch auf, der seinem Anspruch gerecht wird und seine Ziele lebt. Wer einmal die Chance hatte, ihn bei einer seiner zahlreichen Preisverleihungen erleben zu können, der konnte sich ein Bild davon machen, dass der Autor nicht darauf aus ist, sich feiern zu lassen, sondern für seine Ziele zu leben. Dementsprechend war das Fazit seiner engagierten Rede bei der Preisverleihung des Deutschen Bücherpreises als „Publikumsliebling“ auf der Leipziger Buchmesse am 21. März 2003: Es habe einen Grund, warum der Mensch zwei Ohren habe, aber nur eine Zunge – er solle mehr zuhören, als reden.
(dok)

31.5.2004

 

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