April 2004

Zeitlupe - das online-magazin

Kwaito – Klänge des Wandels

Am 27. April 2004 wird Südafrikas Demokratie zehn Jahre alt – zehn Jahre, in denen sich auch in der Musikszene einiges verändert hat. Kwaito heißt der Sound des neuen Südafrika, der vor allem den schwarzen Jugendlichen ungekanntes Selbstbewusstsein verleiht.

BERLIN (Zeitlupe) - „Einer der Vorzüge des neuen Südafrika ist die Freiheit, seine Meinung auszudrücken.“, sagt Maria McCloy. Die Vetreterin des Labels Black Rage Productions führt aus: „Diese Freiheit war noch vor 20 Jahren ein Luxus für schwarze Jugendliche, die in einem von der Apartheid gespaltenen Land lebten.“ Genau so, wie es seinerzeit vor allem Jugendliche waren, die gegen das Apartheidregime Südafrikas kämpften, so sind sie auch heute diejenigen, die die neue Musikszene der Kap-Republik prägen. Anfang der neunziger Jahre mischten junge schwarze Produzenten und DJs in ihrer Euphorie des gerade befreiten Südafrika Sprechgesang in Zulu- und Township-Slang mit House, 1980er-Township-Pop, Hip Hop, R&B, Ragga und Jamaican-Dancehall-Sounds. Hinter der Bezeichnung Kwaito verbirgt sich somit eine Kombination aus traditioneller afrikanischer Musik und modernen Stilrichtungen. Einige Künstler mischen sogar traditionelle Songs und Elemente des 1969er Sophiatown-Jazz oder Live-Musik dazu.

Kwaito hat in der Diskussion um das Erscheinungsbild des neuen Südafrika einen beachtlichen Stellenwert erlangt. So wird die neue südafrikanische Stadtkultur entscheidend von den Einflüssen der Kwaito-Szene geprägt. Nhlanhla von Mafikizolo betont, dass Kwaito dadurch so erfolgreich ist, dass es die Zuhörer direkt und in ihrer eigenen Sprache anspricht. „Kwaito repräsentiert die Jugend der Townships in Südafrika. […] Wenn man die Musik hört, dann kann man spüren, aus welchen Stadtteilen die meisten Südafrikaner kommen. […] Kwaito repräsentiert uns, die Worte, die Rhythmen, das Aussehen der Performer“, so die Leadsängerin der äußerst erfolgreichen Band. Kwaito ist der Inbegriff der eigenen Identität und der eigenen Identitätssuche der jungen Generation Südafrikas. Auf einmal ist es möglich, sich in jeder denkbaren Sprache und seine Emotionen in jedweder Musik auszudrücken, einfach auszuprobieren, neues zu kreieren, seinen Stil, seinen Platz und damit auch seine Identität und seinen Weg zu finden.

Zusammen mit den neuen Klängen kamen auch neue Einrichtungen. Waren Labels vormals ausschließlich in weißer Hand und diese auch im neuen Südafrika nicht bereit, die anfänglichen Kwaito-Musiker zu produzieren, gründeten letztere kurzerhand ihre eigenen Labels. Natürlich waren diese Musikvertriebe anfangs sehr bescheiden, jedoch war der Verkauf von Kassetten der Beginn seiner großen Karriere und seines Labels, sagt Mdu von Wolla Records.
In der Folge entstanden neben Musik-Zeitschriften, Magazinen, Webseiten und ganzen Modetrends auch der erste TV-Musiksender, der rund um die Uhr ausstrahlt, und einige Radiostationen. So gründete sich auch YFM, der größte Radiosender für die Stadt-Jugend. YFM ist ein Sender „der sich auf die Philosophie stützt, der Jugend die Erlaubnis zu geben, ihre eigene Identität zu kreieren“, sagt Maria McCloy, die bei Black Rage Productions auf solche Einrichtungen angewiesen ist. Dirk Hartford von YFM betont, dass die neue Kultur Teil einer Bewegung ist: „YFM und Y Magazine befinden sich nicht im luftleeren Raum. Wir sind Teil einer Kultur, die dabei ist, ihren eigenen Platz in der globalen Welt zu finden und ihr eigenes Ding zu machen, anstatt alles nur nachzuahmen“. Das sind deutliche Worte aus einem neuen Land, das eine alte Geschichte hat. Südafrika wandelt sich – zumindest kulturell.

(dok), 20.4.2004

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